Lerngruppen @ Work | Teil 2

Im ersten Teil dieser dreiteiligen Serie zum Thema Lerngruppen in der Arbeit beschreibe ich den Grund warum ich diese Art von Treffen innerhalb unserer Abteilung vorgeschlagen habe. Ohne große Überzeugungsarbeit genehmigte mein Chef diese tolle Möglichkeit um im Team miteinander zu lernen. Nachfolgend beschreibe ich zum einen wie ich die Organisation dieser Lerngruppen handhabe, zum anderen wie die ersten beiden Treffen abliefen und welche Auswirkungen sie hatten.

Die Wand

Beim Einführen der Lerngruppen hatte ich eine genaue Vorstellung darüber, welche Themen die Kommunikation fördern könnten. Außerdem wollte ich mein über die Jahre aufgebautes Wissen bezüglich Agiler Softwareentwicklung an meine Kollegen weitergeben. Da ich zur damaligen Zeit bereits einiges an Material über Visualisierung am Arbeitsplatz gelesen hatte und mir die Vorteile daher bewusst waren, nahm ich die Administration der Lerngruppe als Anlass, unsere erste Informationswand innerhalb der Abteilung aufzubauen. Nichts Aufwendiges. Eine simple Pinnwand, die zum damaligen Zeitpunkt sowieso ausschließlich als Ersatzkleiderhaken diente.

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Mir war folgendes sehr wichtig: Jeder sollte zu jedem beliebigen Zeitpunkt sehen können, welche Themen zur Auswahl stehen und welche bereits abgearbeitet wurden. Man sollte erkennen können, wer die nächste Lerngruppe organisiert und ob derjenige bereits Lernmaterialien zur Verfügung gestellt hat. Kurz gesagt, die Administration sollte komplett transparent ablaufen. Nicht versteckt in irgendeinem Programm.

Der Initialpool an Themen wurde von mir an die Wand gepinnt. Darunter waren z.B.: Einführung in die Agile Softwareentwicklung, SOLID-Prinzipien, Einführung in XP, Einführung in Regular Expressions, Einführung in Ruby, Wie funktioniert unser Gehirn, etc. zu finden. Ein Mischmasch aus technischen als  auch „soften“ Themen. 

Nach den ersten paar Lerngruppen sah unsere Informationswand wie folgt aus:

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Die erste Lerngruppe

An die erste Lerngruppe kann ich mich noch ganz genau erinnern. Sie wurde von unserem Abteilungsleiter übernommen. Ober sich dazu verpflichtet gefühlt hat? Er nahm diesen Termin als Anlass um uns die Idee eines Projekts zu präsentieren an dem er gerade tüftelte.

Ich war etwas enttäuscht darüber, dass es kein von mir vorgeschlagenes Thema war. Egal. Eine Regel der Lerngruppe war, dass jeder über Themen reden könne, die einem interessieren. Schön wäre es jedoch gewesen, wenn es nichts mit der Arbeit zu tun gehabt hätte. Damit wollte ich bezwecken, dass meine Kollegen endlich einmal etwas außerhalb ihrer gewohnten Arbeitsumgebung zum Thema Softwareentwicklung vermittelt bekommen. Nichts desto trotz war ich froh darüber, dass die Lerngruppe ins Rollen kam. Außerdem wollte ich nicht schon in der ersten Sitzung jemanden bezüglich seines Themas bevormunden, noch dazu wenn es sich dabei um meinen Chef handelte.

Es gab sogar einiges an Material was man vorher studieren konnte. Dies diente jedoch nicht ausschließlich der Lerngruppe zur Vorbereitung sondern auch als Konzept für die eigentliche Präsentation seiner Idee vor dem Vorstand des Unternehmens.

Meine erste Lerngruppe

Die zweite Lerngruppe wurde von mir übernommen. Mit den Hauptzielen Kommunikation und Wissensweitergabe im Hinterkopf wählte ich das Thema: „Eine Einführung in Kanban“. Als großer Fan von Henrik Kniberg und beeindruckt von der Art und Weise wie er Themen präsentiert, nahm ich eines meiner absoluten Lieblingsbücher von ihm „Lean from the Trenches“ als Grundlage für meine Präsentation.

Im Buch findet man eine Case Study über ein größeres Projekt und wie sich mittels Kanban Kommunikation in Teams fördern lässt. Durch ständiges Reflektieren über die getane Arbeit, findet man Möglichkeiten, wie sich alle zusammen verbessern können. Wurzelproblemanalyse ist hier das Zauberwort.

Folgende Aufzeichnung von Henrik diente mir als weitere Grundlage für die Lerngruppe:

Kanban and Scrum – making the most of both – Henrik Kniberg from Øredev on Vimeo.

Die zugehörigen Slides zum Video sind ebenfalls online zu finden. Damit sich meine Teamkollegen auch auf das Treffen vorbereiten konnten, schickte ich nach einer Woche den Wiki-Eintrag zum Thema Kanban via Mail aus. In diesem findet man die wichtigsten Begriffe kurz beschrieben. Meines Erachtens ausreichend Material um über das Thema nach meinem Vortrag zu diskutieren.

Zu Beginn meiner Lerngruppe fragte ich meine Kollegen, woran sie sich aus dem Wiki-Eintrag erinnern konnten. Diese Schlagworte hielt ich auf einem Flip Chart fest. Damit konnte ich während meines Vortrags immer wieder auf diese verweisen und den Zusammenhang zu meiner Präsentation herstellen. Soweit ich mich erinnern kann, fanden alle Teilnehmer an meinen Vortrag großen Gefallen. Doch ich hatte keine Vorstellung darüber, was ich mit dieser Lerngruppe ins Rollen bringen würde. Zwar nicht unmittelbar danach, jedoch nach kurzer Zeit sah unser Abteilungsbereich wie folgt aus:

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Ich würde niemals behaupten, dass wir Kanban nach dem Buch leben, nicht im Entferntesten. Jedoch helfen die Whiteboards dabei, Arbeitsvorgänge zu visualisieren, die Kommunikation innerhalb des Teams zu verbessern und Transparenz zu schaffen im Sinne „Wer tut gerade Was“. Damit wurde der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Wo es vorher keine Kommunikation gab, wird jetzt mehrmalig am Tag vor dem Whiteboard miteinander diskutiert.

Wie geht es weiter?

Bis hierhin könnte man annehmen, das Lernen im Team Spaß machen sollte. Es gibt sogar positive, sichtbare Auswirkungen im Arbeitsalltag. Leider habe ich eine grundsätzlich falsche Annahme getroffen. Darüber und inwiefern sich die Realität zur ursprünglichen Idee der Lerngruppen unterscheidet, berichte ich im nächsten Post.

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Eine Antwort zu Lerngruppen @ Work | Teil 2

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