Lerngruppen @ Work | Teil 3

In Teil 1 beschreibe ich den Grund warum ich in der Arbeit Lerngruppen initiiert habe. Schon bereits nach kurzer Zeit konnte man Veränderung innerhalb der Abteilung erkennen. Darüber habe ich Teil 2 berichtet. In diesem Post beschreibe ich die eher etwas negativen Erfahrungen die ich bis hierhin gemacht habe.

Realität

Lerngruppen finden nach wie vor alle 14 Tage statt. Lernmaterialien werden nur sehr selten nach einer Woche ausgeschickt. Meistens wird beim Aussenden des Outlook-Termins der nächsten Study-Group etwas Vorbereitungsmaterial in Form einiger Links hinzugefügt. Das Organisieren der Lerngruppen habe ausschließlich ich übernommen. D.h. niemand (ein oder zwei Ausnahmen gab es) innerhalb der Abteilung meldet sich freiwillig um die nächste Study-Group vorzubereiten. Warum das so ist, konnte ich bis jetzt nicht wirklich erklären.

Das Visualisieren der Lerngruppenadministration wird derzeit auf einem Flip-Chart Blatt durchgeführt und sieht wie folgt aus:

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Diskussionen nach abgehaltenen Vorträgen kommen nicht wirklich zu Stande. Hin und wieder werden (meistens von den gleichen Personen) ein paar Verständnisfragen gestellt. Positiv anzumerken ist, dass von jedem innerhalb der Abteilung schon mindestens einmal eine Study-Group übernommen worden ist.

Ab und an waren sogar wirklich ausgesprochen gut vorbereitete Lerngruppen dabei. Meines Erachtens waren Study-Groups dann am erfolgreichsten, wenn der Vortragende sich die Mühe gemacht hat, kleine Workshops in seine Präsentation einzubauen. Es gab Termine wo man in Kleingruppen oder aber auch alleine kleine Aufgaben erledigen durfte.

In der nächsten Abbildung sieht man einen Übungsteil in Aktion.

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In der Lerngruppe ging es um das Thema „Werte“ und gehörte meines Erachtens zu den besten bis jetzt organisierten Terminen. Leider gibt es auch Abteilungsmitglieder die nichts mit diesen Workshops anfangen können. D.h., wenn alle anderen am Zusammenarbeiten sind, wird dann hartnäckig beim Mittun ausgesetzt.

Fazit: Mein Bauchgefühl sagt mir, würde ich aufhören die Lerngruppen zu organisieren, würden diese künftig nicht mehr stattfinden.

Naive Annahme

Ich halte Weiterbildung in meiner Branche nicht nur für unbedingt notwendig, sondern ich habe einfach Spaß daran, tägliches Neues zu lernen. Das war natürlich nicht immer so in meinem Leben. Seitdem ich jedoch meine Leidenschaft für die Softwareentwicklung entdeckt habe, hat sich auch mein generelles Lerninteresse drastisch erhöht. Eine Unterscheidung zwischen Hobby und Beruf gibt es bei mir nicht mehr.

Deshalb war ich besonders glücklich darüber, dass unser Abteilungsleiter diese Lerngruppen genehmigt hatte. Gemeinsam mit dem Team lernen. Großartig. Allerdings musste ich nach einiger Zeit feststellen, dass hauptsächlich ich Themen für die Study-Group vorbereitete. Das war eigentlich ok für mich. Leider arteten die Lerngruppen jedoch zu reinen Frontalvorträgen aus.

Diskussionen fanden nur noch vereinzelt statt. Ausgeschickte Materialien zur Vorbereitung wurden weitestgehend ignoriert. Das frustriert natürlich. Warum ist das so? Lernen meine Kollegen nicht genauso gerne wie ich? Sind die Themen nicht interessant genug?

Ohne Vorbereitung gibt es keine Diskussion. Ohne Diskussion gibt es keine Verbesserung der Kommunikation innerhalb des Teams. Was mache ich also falsch?

Erst vor kurzem hatte ich ein Aha-Erlebnis nachdem ich Ralf Westphals tollen Post zum Thema Slack gelesen hatte. Wer den noch nicht kennt, sollte diesen unbedingt jetzt studieren und dann wieder zu diesem Blog zurückkehren.

Es war leider naiv von mir zu glauben, dass nur weil uns unser Abteilungsleiter offiziell Zeit und Raum für gemeinsames Lernen zur Verfügung stellt auch jeder aktiv daran teilnehmen würde.

Wenn man seinem Team eine tolle Bibliothek an Sachbüchern bereitstellt, heißt es ja auch noch lange nicht, dass diese auch tatsächlich gelesen werden. Das habe ich jetzt begriffen. Was kann ich also tun, um meine Kollegen dazu zu motivieren sich auf Lerngruppen vorzubereiten?

Ich werde es auf jeden Fall mit Ralfs Vorschlägen probieren:

„Mein Vorschlag: Die Nutzung von Slack sollte immer wieder nachgefragt werden. Man muss an den Menschen ziehen. Pull ist also nicht nur für die Softwareentwicklung ein wichtiges Prinzip. Auch die Mitarbeiterentwicklung braucht es. Immer wieder muss der Slack-Geber klar machen, dass er wünscht, dass der Spielraum genutzt wird.

Fragen wie “Warum hast du den Slack nicht genutzt?” sind da allerdings weniger hilfreich als “Was hast du in deinem Slack gemacht?” Erstere sind nämlich wieder mehr oder weniger subtil drohend/kontrollierend, Letztere hingegen interessiert und in sich wiederum freistellend.

Slack-Nutzung vorleben und Slack-Nutzung interessiert nachfragen, das scheint mir sehr wichtig, um Menschen anzuleiten, mit Freiräumen umzugehen.

  • Was hast du zuletzt “erforscht” in der Zeit, die dir das Unternehmen dafür bietet?
  • An welchem Fach-/Sachbuch liest du gerade, das du dir von dem Literaturbudget des Unternehmens gekauft hast?
  • Was hast du auf der letzten Fortbildung gelernt, die die das Unternehmen ermöglicht hat?
  • Wie hast du deinen Entscheidungsspielraum genutzt, den dir das Unternehmen bietet?

Das Medium, um Zug in dieser Weise auszuüben, ist für mich “die Runde”, also ein ungezwungenes, allerdings fokussiertes Treffen. Zeit für solche Runden ist im Wochenkalender für alle vorzusehen. Das ist Führungsaufgabe. Und da wird dann nachgefragt, ausgetauscht und Slack gelebt.“

Investition

Das Thema Softwareentwicklung ist so breitgefächert, sodass es eine ganze Menge zu lernen gibt. Damit meine ich nicht nur die technischen Dinge, sondern vielmehr die „soften“ Themen. Das Entwickeln von Software ist Teamarbeit und auch das Arbeiten im Team muss verstärkt gelernt und geübt werden.

Ich bin der Meinung, dass jeder der in dieser Branche tätig ist, aktiv und bewusst in seiner Freizeit an sich und seinen Fähigkeiten arbeiten muss.

Wenn man dann noch zusätzlich die Möglichkeit bekommt, im Team miteinander zu lernen, dann sollte man das unbedingt ausnutzen und wertschätzen und jede einzelne Minute davon genießen. Denn eines sollte jedem bewusst sein, die untere Hälfte in der folgenden Abbildung ist auf jeden Fall die sinnvollere und meiner Meinung nach auch die unterhaltsamere.

Peer learning vs Lecture

Das Bild habe ich mir von Staffan Nöteberg geborgt: http://twitpic.com/c9l1zx

Über sageniuz

https://about.me/ClausPolanka
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Eine Antwort zu Lerngruppen @ Work | Teil 3

  1. Peter Kofler schreibt:

    Das ist schade, wo die Sache doch so gut begonnen hat. Es scheint mir, dass immer irgendwer „ziehen“ muss, sonst passiert gar nichts, das ist in allen Dingen des Lebens so. (Vielleicht ist das gut so, denn es gibt so viele Gebiete, dass wir uns den Enthusiasmus teilen und jeder quasi eine andere Verantwortung hat. Du willst in der Arbeit lernen, andere wollen ihren persönlichen Bier Rekord verbessern usw.)

    Die Fragen von Ralph kommen mir doch sehr streng vor, da wird Druck aufgebaut, das bringt meiner Meinung nach gar nichts.

    Ja, Treffen ohne Vorbereitung sind Zeitverschwendung. Aber lernen Deine Kollegen etwas wenn Du frontal vorträgst? Vielleicht ist das Dein Schicksal, dass Du ihnen etwas beibringen musst, Du selber lernst dann eben nur bei den Vorbereitungen der Vorträge. Aber ich stimme zu, wenn es keinen interessiert, dann macht das keinen Spass. Ist auch der Grund warum ich Clean Code Coachings gar nicht so gerne mache.

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